Sachsen-Anhalt plant Kryptowertpapier – Experte nennt es „PR-Gag"
Sachsen-Anhalt plant die Aufnahme von bis zu 100 Millionen Euro Schulden mittels eines Kryptowertpapiers. Die Technologie wird zur Umsetzung der Digitalstrategie des Landes eingesetzt, stößt jedoch auf Expertenkritik.

Das Bundesland Sachsen-Anhalt plant, bis zu 100 Millionen Euro neue Schulden durch die Ausgabe eines Kryptowertpapiers aufzunehmen und dabei auf die umstrittene Blockchain-Technologie zu setzen. Finanzminister Michael Richter (CDU) erklärte, das Vorhaben sei ein Beitrag zur Umsetzung der Digitalstrategie des Landes und ziele darauf ab, ein sicheres, fälschungssicheres Aufzeichnungssystem zu etablieren und Transaktionen zu beschleunigen.
Die Blockchain-Technologie, die auch Kryptowährungen wie Bitcoin zugrunde liegt, ermöglicht die Schaffung digitalen Vertrauens zwischen unbekannten Parteien. Das System wird in einem privaten Netzwerk betrieben, in dem bereits über 50 Institutionen und fünf Depotbanken aktiv sind. Alle potenziellen Käufer müssen sich registrieren, um Geldwäsche zu verhindern. Trotz der Beschreibung des Ministeriums als sicheres System wurden die genauen Kosten für die Emission des Kryptowertpapiers nicht offengelegt, es wurde lediglich angegeben, sie seien "marktüblich".
Der IT-Sicherheitsexperte Marian Kogler aus Halle äußert jedoch Kritik an dem Vorhaben. Er argumentiert, dass die Blockchain-Technologie für eine Anleihe nicht notwendig sei, insbesondere da die beteiligten Institutionen bereits Vertrauen zueinander haben und Gesetzen unterliegen. Kogler glaubt, eine herkömmliche Datenbank reiche zur Registrierung von Eigentumsverhältnissen aus und bezeichnet das Projekt als „PR-Gag“ mit unklarem realem Nutzen.
Das Finanzministerium Sachsen-Anhalts verweist auf ein Gesetz aus dem Jahr 2021, das elektronische Wertpapiere zulässt. Sie bestätigen jedoch, dass dieses spezielle Kryptowertpapier eine Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) benötigt, ebenso wie andere elektronische Wertpapiere. Weitere technische Vorteile oder Unterschiede zu anderen digitalen Wertpapierhandelsmöglichkeiten wurden vom Ministerium nicht genannt, was die Skepsis der Kritiker bezüglich der Innovationskraft des Projekts verstärkt.