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Wissenschaft

Schiffswaschwasser verursacht Ostsee­schäden von über 680 Mio. Euro

Eine neue Studie der Chalmers University of Technology zeigt, dass die Einleitung von Waschwasser aus Schiffswasch­anlagen zwischen 2014 und 2022 sozioökonomische Kosten von über 680 Millionen Euro für die Ostsee verursacht hat.

12. Juni 2026
Schiffswaschwasser verursacht Ostsee­schäden von über 680 Mio. Euro
Bild ist eine KI-generierte Illustration

Eine neue Studie der Chalmers University of Technology hat ergeben, dass die Einleitung von Waschwasser aus Schiffswaschanlagen, sogenannten Scrubbern, zwischen 2014 und 2022 sozioökonomische Kosten von über 680 Millionen Euro für die Ostsee verursacht hat. Die Technologie wurde zur Reinigung von Abgasen entwickelt, doch das dabei entstehende Waschwasser belastet eines der empfindlichsten Meere der Welt. Forscher sehen hier einen Konflikt zwischen privaten Wirtschaftsinteressen und der Gesundheit des Meeresökosystems.

Die in Nature Sustainability veröffentlichte Studie untersuchte über 3.800 Schiffe, die in Scrubber-Technologie investiert hatten. Sie stellte fest, dass diese Anlagen es den Schiffen ermöglichten, weiterhin billigeres, schwereres Heizöl anstelle saubererer Alternativen zu verwenden. Trotz der anfänglichen Investitionskosten für die Scrubber haben die meisten Reedereien ihre Ausgaben bereits wieder eingespielt und erzielen erhebliche Gewinne, während gleichzeitig Umweltschäden entstehen.

Die Forscher berechneten die externen Kosten der Einleitung von Scrubber-Waschwasser für die Meeresökosysteme und schätzten die Schäden im untersuchten Zeitraum auf über 680 Millionen Euro. Diese Zahlen werden als Unterschätzung betrachtet, da sie Kosten im Zusammenhang mit möglichen Ölverschmutzungen durch Schiffe, die Schweröl verbrennen, nicht einschließen. Frühere Forschungen von Chalmers zeigten, dass jährlich über 200 Millionen Kubikmeter umweltschädliches Scrubber-Wasser in die Ostsee eingeleitet werden.

Die Studie untersuchte auch die finanzielle Seite für die Schiffsbesitzer. Sie kam zu dem Schluss, dass sich die meisten Open-Loop-Scrubber-Systeme innerhalb von fünf Jahren amortisieren. Der Gesamtüberschuss für die analysierte Flotte bis Ende 2022 wurde auf 4,7 Milliarden Euro geschätzt. Diese Erkenntnis stellt das Argument in Frage, dass Reedereien nicht bestraft werden sollten, da ihre Investitionen weitgehend wieder hereingeholt wurden.

Mehrere Länder, darunter Dänemark, Deutschland und China, haben bereits Verbote oder Beschränkungen für die Einleitung von Scrubber-Wasser in ihren Hoheitsgewässern erlassen. Schweden hat zwar kein allgemeines Verbot, aber Häfen wie Göteborg haben eigene Vorschriften eingeführt. Die Forscher fordern die schwedischen Behörden auf, die Priorität auf die Lösung dieses Problems zu legen, um negative Auswirkungen auf die Ostseeumwelt zu mindern.

Originalquelle: chalmers.se