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Wissenschaft

LMU-Studie: "Scrollen" in sozialen Medien verkürzt Zeitgefühl

Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) untersuchen, wie soziale Medien und das Scrollen die Zeitwahrnehmung und das Gedächtnis beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass Zeit bei digitaler Informationsaufnahme kürzer zu sein scheint.

10. Juni 2026
LMU-Studie: "Scrollen" in sozialen Medien verkürzt Zeitgefühl

Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben erforscht, warum die Zeit beim Scrollen durch soziale Medien oft wie im Flug vergeht. Professor Zhuanghua Shi von der neurokognitiven Psychologie untersucht, wie das Gehirn Zeit konstruiert und wie digitale Dauerreize die Wahrnehmung beeinflussen.

Die Studie ergab, dass aktives Scrollen in sozialen Medien die Zeit kürzer erscheinen lässt als das Betrachten eines statischen Bildes. Ein 40-sekündiger Durchgang wurde beim Scrollen von den Teilnehmenden auf etwa 27 Sekunden geschätzt, im Vergleich zu etwa 30 Sekunden bei einem statischen Bild. Auch das passive Betrachten von bewegten Inhalten verkürzte die empfundene Zeit im Vergleich zu einer statischen Ansicht.

Mithilfe von neurowissenschaftlichen Methoden wie EEG und Blickbewegungsaufzeichnung wurde die Gehirnaktivität und Aufmerksamkeit der Probanden analysiert. Der ständige Wechsel von Inhalten und die aktive Navigation binden die Aufmerksamkeit stark, was für die Zeitwahrnehmung entscheidend ist. Das Scrollen kann ein Gefühl der Kontrolle vermitteln, verzerrt jedoch gleichzeitig das Zeitempfinden.

Die Effekte der Aufmerksamkeitsbindung lassen nicht sofort nach. Dieses Phänomen, "attentional residue" genannt, bedeutet, dass ein Teil des Gehirns weiterhin nach neuen Reizen sucht, was den Drang, zum Bildschirm zurückzukehren, verstärken kann. Die anhaltende digitale Exposition kann auch beeinflussen, woran wir uns später erinnern.

Die Forscher betonen jedoch, dass dieser Zustand nicht dauerhaft ist. Etwa 20 Minuten konzentrierte Tätigkeit ohne digitale Ablenkungen, wie ein Spaziergang oder ein Gespräch, können helfen, die normale Aufmerksamkeit und Zeitwahrnehmung wiederherzustellen.

Originalquelle: lmu.de