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Wissenschaft

Soziologe: Echte Begegnungen sind trotz digitaler Vernetzung essenziell

Soziale Medien verbinden uns digital, doch die Einsamkeit nimmt zu. Soziologe Vidar Halldorsson betont, dass alltägliche, persönliche Treffen für den Aufbau von Vertrauen und Zugehörigkeit unerlässlich sind.

9. Oktober 2026
Soziologe: Echte Begegnungen sind trotz digitaler Vernetzung essenziell

München – Trotz umfangreicher digitaler Vernetzung berichten viele Menschen von Einsamkeit. Laut Soziologe Vidar Halldorsson liegt dies an der abnehmenden Zahl echter, persönlicher Begegnungen. Selbst kurze Interaktionen, wie ein Gespräch mit einem Nachbarn oder ein Gruß auf der Straße, sind entscheidend für den Aufbau von Vertrauen, Empathie und Gemeinschaft.

In seinem neuen Buch „How Digital Screen Use Alienates Human Societies“ warnt Halldorsson davor, dass die digitale Kommunikation zunehmend echte menschliche Interaktionen verdrängt. Er beschreibt dies als ein Paradox: Digitale Netzwerke versprechen mehr Verbindung, können aber gleichzeitig die authentische menschliche Nähe verringern. Der Soziologe spricht von „sozialer Magie“, einer schwer fassbaren Qualität, die aus direkter, persönlicher Interaktion entsteht.

Die digitale Kommunikation lässt wichtige soziale Signale aus, die in Angesicht-zu-Angesicht-Gesprächen vorhanden sind. Halldorsson nennt subtile Mimik, Körpersprache, Distanz und Berührung als Beispiele. Diese Signale helfen, die Stimmungen anderer zu verstehen und Reaktionen vorherzusehen. Er betont, dass ein Verständnis für soziale Situationen durch wiederholte Begegnungen entwickelt wird, nicht durch vereinzelte intensive Kontakte.

Halldorsson betrachtet kleine, alltägliche Interaktionsrituale – wie Nachbarschaftsgrüße oder kurze Gespräche in Warteschlangen – als grundlegende Bausteine von Gemeinschaft. Er vermutet, dass die COVID-19-Pandemie diesen Trend beschleunigt hat, da virtuelle Treffen und Fernverbindungen viele physische Zusammenkünfte ersetzten. Obwohl technische Lösungen praktisch sind, argumentiert er, dass sie echte Begegnungen, die ein tieferes Gefühl von Zugehörigkeit und Identität vermitteln, nicht vollständig ersetzen können.

Originalquelle: fr.de