Studie: Deutsche Industrie kann 40 Prozent Energie einsparen
Eine neue Studie zeigt, dass die deutsche Industrie ihren Energieverbrauch um 40 Prozent senken und jährlich 29 Milliarden Euro einsparen kann, insbesondere durch die Elektrifizierung von Prozesswärme.

Berlin – Die deutsche Industrie kann laut einer neuen Studie erhebliche Einsparungen bei Energieverbrauch und Kosten erzielen. Die von der Hochschule Niederrhein im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH), des Umweltinstituts München und Bellona Deutschland erstellte Analyse legt nahe, dass die Industrie ihren Energiebedarf um bis zu 40 Prozent reduzieren könnte.
Das größte Einsparpotenzial liegt in der Prozesswärme, die für das Erhitzen, Schmelzen und Trocknen von Materialien unerlässlich ist. Die Studie hebt insbesondere die Elektrifizierung durch Wärmepumpen hervor, die den Energieverbrauch selbst bei hohen Temperaturen um bis zu 20 Prozent senken kann. Diese Effizienzmaßnahmen sind wirtschaftlich rentabel: Geschätzte Investitionen von 104 Milliarden Euro sollen jährliche Einsparungen von 29 Milliarden Euro ermöglichen.
Die Studie betont, dass die Vorteile der Energieeffizienz nicht auf große Industriesektoren wie die Chemie- oder Stahlindustrie beschränkt sind. Auch die Lebensmittelindustrie birgt erhebliche Potenziale, die über 10 Prozent der berechneten Gesamteinsparungen ausmachen könnten. Die kurzfristige Rentabilität ist ebenfalls stark, da sich viele Maßnahmen in weniger als drei Jahren amortisieren.
DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner bezeichnete Energieeffizienz als den "schlafenden Riesen der Energiewende" und betonte die Notwendigkeit ehrgeiziger politischer Vorgaben und verlässlicher Förderungen, um Investitionen der Unternehmen anzuregen. Georg Kobiela von Bellona Deutschland fügte hinzu, dass Energieeffizienzmaßnahmen den Druck auf das Energiesystem verringern und kluge Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit darstellen.
Leonard Burtscher vom Umweltinstitut München hob die Rolle der Industrie im Klimaschutz hervor und erklärte, dass der Sektor sein Energiesparpotenzial nutzen müsse, um sicherzustellen, dass erneuerbarer Strom für die Energiewende bis 2045 ausreicht.