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100 Jahre Theaterwissenschaft an der LMU München

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) feiert 100 Jahre Forschung in der Theaterwissenschaft. Experten diskutieren die gesellschaftliche Rolle des Theaters und seine wandelnden Formate.

19. Juni 2026
100 Jahre Theaterwissenschaft an der LMU München

Die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) begeht das 100-jährige Jubiläum ihres Instituts für Theaterwissenschaft. Anlässlich dieses Meilensteins blicken die Professorinnen Meike Wagner und David Roesner auf die gesellschaftliche Bedeutung des Theaters und seine Entwicklung im vergangenen Jahrhundert zurück.

Auf die Frage nach der heutigen Rolle des Theaters in der Gesellschaft betont Wagner dessen fortwährende Relevanz: „Das Theater hat immer wieder geschafft, sich neu zu erfinden.“ Sie hebt hervor, dass Theater ein Live-Medium sei, das auf der Anwesenheit und Gemeinschaft des Publikums basiere. Roesner stimmt zu und argumentiert, dass das gemeinsame ästhetische und kognitive Erlebnis einer Theateraufführung durch Aufzeichnungen nicht vollständig ersetzt werden könne.

Wagner bezeichnet das Theater als „utopisches Medium“, das dem Publikum Zukunftsentwürfe präsentiere, was sowohl aufrüttelnd als auch tröstlich sein könne. Diese Fähigkeit, sich eine bessere Zukunft vorzustellen, sei für die Demokratie essenziell, da diese zukunftsfähige Narrative benötige.

Im Laufe seines 100-jährigen Bestehens hat sich das Theater erheblich weiterentwickelt, insbesondere in der Vielfalt seiner Formate. Heutige Theaterinstitutionen agieren zunehmend als gesellschaftliche Akteure, die Theater als soziale Praxis definieren. Dazu gehören Formate wie Bürgertheater, Kindertheater für benachteiligte Gruppen und Podiumsdiskussionen auf der Bühne.

Neben dem traditionellen literarischen Drama sind neue Formen wie das postdramatische Theater, das literarische Texte dekonstruiert, und die „Devised Performance“, bei der Themen kollaborativ ohne fertiges Skript entwickelt werden, entstanden. Roesner stellt fest, dass politische und gesellschaftliche Themen auf den heutigen Bühnen präsent sind. Zudem mache das Theater Politik, indem es kritisch seine eigenen Arbeitsbedingungen reflektiert.

Originalquelle: lmu.de