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Wissenschaft

Zwillingsstudie hinterfragt Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Psyche

Eine umfangreiche schwedische Zwillingsstudie stellt einen direkten Zusammenhang zwischen hoher Bildschirmzeit und psychischen Problemen in Frage. Genetische und familiäre Faktoren könnten einen Teil des Zusammenhangs erklären.

10. Oktober 2026
Zwillingsstudie hinterfragt Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Psyche

Eine umfassende schwedische Zwillingsstudie mit über 21.000 Teilnehmern stellt einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen hoher Bildschirmzeit und psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen in Frage. Die Forschung deutet darauf hin, dass genetische Faktoren und das familiäre Umfeld einen erheblichen Teil der beobachteten Zusammenhänge erklären könnten, was eine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Bildschirmkonsum und psychischem Wohlbefinden abschwächt.

Forscher des Karolinska Institutet begleiteten Zwillinge vom neunten Lebensjahr bis ins Erwachsenenalter und erfassten deren Bildschirmzeiten sowie Symptome psychischer Gesundheit. Die Studie unterschied zwischen interaktiver Nutzung (wie Spielen und Surfen) und passiver Nutzung (wie Fernsehen). Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere interaktive Bildschirmzeit im Alter von 15 Jahren mit einer schlechteren psychischen Gesundheit im Alter von 18 Jahren verbunden war, wobei sich die Effekte im Laufe der Zeit zu akkumulieren schienen.

Durch den Vergleich von Zwillingen innerhalb derselben Familie, bei denen ein Geschwisterteil mehr Bildschirme nutzte als der andere, stellten die Forscher jedoch fest, dass die Unterschiede in der psychischen Gesundheit trotz erheblicher Unterschiede in der Bildschirmzeit nicht signifikant waren. Dies legt nahe, dass ein großer Teil des Zusammenhangs durch gemeinsame genetische Veranlagungen und familiäre Umgebungen erklärt werden kann, die sowohl die Bildschirmgewohnheiten als auch die Anfälligkeit für psychische Probleme beeinflussen.

Die Forscher betonen, dass, obwohl ein direkter und eindeutiger kausaler Zusammenhang nicht immer nachgewiesen werden kann, ihre Ergebnisse auch nicht bedeuten, dass eine hohe Bildschirmzeit völlig harmlos ist. Familiäre und individuelle Risikofaktoren könnten weiterhin eine Rolle dabei spielen, ob eine hohe Bildschirm-Nutzung zu psychischen Problemen führt. Die Studie beleuchtet das komplexe Zusammenspiel von Genetik, Umwelt und Lebensstil bei der Gestaltung der psychischen Gesundheit.

Originalquelle: mdr.de