Ukrainakorrespondent: Selenskyj hat sich politisch verschätzt
Der MDR-Korrespondent in Kiew, Stefan Laack, meint, Präsident Selenskyi habe bei der Neubesetzung der Armeespitze sein politisches Gespür verloren. Die Fehleinschätzung betreffe vor allem die Kommunikation, die auch bei Anhängern auf Verärgerung stieß.

Nach Einschätzung des MDR-Korrespondenten Stefan Laack hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi bei der Neubesetzung der militärischen Führung sein politisches Gespür verloren. Laack sagte gegenüber MDR AKTUELL, Selenskyi habe offenbar geglaubt, den Streit zwischen dem bisherigen Armeechef Oleksandr Syrskyj und dem entlassenen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow geräuschlos lösen zu können, wie bei früheren Regierungsumbildungen.
Diese Einschätzung sei jedoch falsch gewesen, so der Korrespondent. Insbesondere die mangelhafte Kommunikation habe auch viele grundsätzliche Anhänger Selenskyjs verärgert. Bei Protesten seien jedoch keine Rücktrittsforderungen gegen Selenskyj laut geworden, merkte Laack an. Er riet dem Präsidenten, darauf zu achten, dass sich solche politischen Fehleinschätzungen nicht häuften.
Die Umbildung sei eine Reaktion auf Spannungen zwischen dem bisherigen Armeechef und dem Verteidigungsminister gewesen. Die Ernennung von Mychajlo Drapatyj zum neuen Armeechef erfolge im Zuge der Bemühungen, die ukrainische Offensive zu stärken. Selenskyi selbst habe sich mit US-Gesandten zu Gesprächen über diplomatische Wege zur Beendigung des Krieges getroffen.
Die Ukraine meldete zudem die Rückeroberung von 700 Quadratkilometern Land im Rahmen ihrer Gegenoffensive. Gleichzeitig haben Angriffe auf Schwarzmeerhäfen die Preise für europäisches Weizen in die Höhe getrieben. Russland hat nach ukrainischen Drohnenangriffen die Schifffahrt im Hafen von Noworossijsk eingeschränkt, was die Unsicherheit auf den Weltmärkten erhöhte.